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Ist Mondo Zen ein 'Psycho-Training'?

 

mondologoZuweilen gibt es in den einschlägigen Gruppen auf Facebook Kommentare (in diesem Fall bezogen auf das Mondo Zen Übungshandbuch) wie diesen zu lesen:
"ich sehe in diesem Mondo-Zen, so, wie ich dieses Handbuch jetzt überflogen habe, einfach ein Psycho-Training, ein Verhaltenstraining, das sich halt der Begrifflichkeiten und teilweise Methoden der spirituellen Szene und spiritueller Traditionen bedient."

Oder diesen:
"Mich hat tatsächlich negativ überrascht, wie ergebnisfixiert dieser Prozess ablaufen soll. Dadurch wird dieses markengeschütze Programm zu einem weiteren Selbstoptimierungskurs neben vielen anderen.
Zen dagegen ist zunächst mal reines Gewahrsein, ohne jeden Zweck und ohne Ziel."

Oder diesen:
"Klingt nach versuchter Gehirnwäsche."


Bevor ich jetzt den (für mich meist ermüdenden) Versuch starte, auf diese Kommentare in Facebook einzeln einzugehen und damit wohl nur eine weitere, fruchtlose Debatte über etwas zu nähren, von dem die meisten Autoren dieser Beiträge gar keine eigene Erfahrung haben, möchte ich lieber hier auf diesem Wege einige meiner Gedanken dazu zur weiteren Verwendung zur Verfügung stellen.

Mögen sie der Wahrheitsfindung und dem Wohle Aller dienen!
(und mögest Du Dir die Zeit nehmen, sie zu lesen)

Swaha!

 

Zunächst einmal finde ich es verstehbar (und nicht einmal wirklich verwunderlich), dass nach ausschließlichem Überfliegen des Mondo Zen Handbuches der Eindruck entstehen kann, es handele sich hier um ein 'Psycho-Training'.
Ich möchte mir an dieser Stelle allerdings auch den folgenden Vergleich erlauben:
Welcher Eindruck würde denn bei jemandem entstehen, der nur ZaZen-Praktizierende dabei beobachtet, wie sie regungslos auf eine weiße Wand starren? Ist Zen dann nicht auch einfach nur 'Rumsitzen und nichts tun'?

Nein, natürlich kann sich mir das Wesen (die Essenz) von Zen weder erschließen, wenn ich Meditierenden beim Sitzen zuschaue, über die Sinnhaftigkeit bestimmter Rituale debattiere oder irgendwelche Handbücher lese. Wenn ich wirklich interessiert bin, selber zu erfahren / erkennen, worum es hier geht, dann werde ich mich auch selber auf den Weg machen müssen. Oder - und hier geht es mit den Paradoxien schon los - wenn ich wissen will, was es mit dem 'nicht wissen' (Zen-Geist, Chan, Dhyana) auf sich hat, dann werde ich selber nachschauen müssen. Eben weil 'nicht wissen' nicht gewusst werden kann. Oder, wie es so schön heißt: 'Wissen schützt vor Erfahrung'.

Das ist das Wesen und das ewige Dilemma beim Zen (und allen spirituellen Wegen): das, 'worum es geht', ist mir näher als mein eigenes Gesicht, ist immer jetzt und immer hier. Zeitlos, grenzenlos. Mu.

Und in dem Moment, wo ich es auch nur 'suche' oder zu be-greifen, zu benennen, zu beschreiben versuche, ist es wieder weg. Keine Worte der Welt werden 'es' jemals beschreiben können. Kann per Definition nicht sein, weil dann immer der Beschreibende oder die Beschreibung getrennt von dem Beschriebenen wäre (so funktioniert halt Sprache). Und irgendwie geht es aber doch um das Nicht-Getrennte (non-duale), gell?

Wie gehen wir jetzt also am besten mit diesem Dilemma um?
Entweder, wir halten einfach die Klappe und setzen uns auf unser Kissen. Gut, das funktioniert (manchmal).
Oder, wir verwenden eine poetische, metaphorische Sprache (wie Rumi oder Rilke), die nur auch kein Mensch so richtig 'versteht'. Immerhin erreiche ich im besten Fall mit Poesie eine tiefere Ebene meines Seins jenseits meines Verstandes, die dann mit der Erfahrung des Poeten in Resonanz gehen kann, ein 'rationales Verstehen' dessen, worum es geht, ist das aber immer noch nicht.
Oder, wir arbeiten mit den traditionellen Zen-Koans ('Was war Dein wahres Gesicht, bevor Deine Eltern geboren sind?') und sitzen damit so lange brütend auf unserem Kissen, bis der Verstand endlich aufgibt und wir eine Etage tiefer rutschen.

Alles das führt im besten Fall dazu, dass ich nach langem Üben eine authentische Erkenntnis / Erfahrung / Realisation gemacht habe, die ich nur dann leider immer noch nicht (aus den oben genannten Gründen) verbalisieren oder ihr Sinn geben kann. Wenn ich Glück (und einen guten Lehrer) habe, dann wird mein Lehrer mich 'verstehen' und diesen Zustand in mir erkennen (der kein anderer als sein eigener ist. Das eine Bewusstsein, welches sich durch 2 Augenpaare begegnet).

Was mache ich dann aber mit dieser 'Erkenntnis' in meinem Alltag? Oder anders gefragt, was macht diese Erkenntnis mit mir? Mit meinem Ego? Was macht mein Ego mit dieser Erkenntnis? Welchen 'Sinn' mache ich mir daraus?
Machen wir uns das noch mal klar: immer dann (ohne eine Ausnahme), wenn 'ich' (oder Du) aus einer Erfahrung 'Sinn mache' oder den Mund aufmache und irgendetwas über irgendeine Erkenntnis berichte, dann spricht - (m)ein Ego!
Warum?
Weil eben genau diese Kompetenz, halbwegs unfallfrei zusammenhängende Sätze zu formulieren (oder auch nur schöne blumige Begriffe zu verwenden) ein Ausdruck des Egos ist! Letztlich ist die Kompetenz, meinen Erfahrungen einen Sinn zu geben, Entscheidungen zu treffen oder eine Meinung zu haben genau das, was das Ego überhaupt in die Existenz bringt.
Ego, Denken und Sprache sind untrennbar miteinander verwoben. Wo immer Denken und Sprache ist, da ist auch ein Ego.
Oder, anders formuliert:
Was wird aus einem gewöhnlichen Menschen, wenn er aufhört zu denken? Ein Buddha.
Was wird aus einem Buddha, wenn er anfängt zu denken? Ein gewöhnlicher Mensch.

Ok, müssen wir also unser Ego loswerden? Muss unser Ego 'auf dem Kissen sterben'?
Besser nicht.
Um in der Welt zu funktionieren, ja schlicht um zu überleben, brauchen wir ein Ego, diese wunderbare Entwicklung menschlicher Evolution!
Das Dumme ist halt nur, dass uns dieses Ego (aus guten Gründen, wie wir im Mondo Zen lernen werden) den Blick auf das versperrt, was wir (auch) sind: reines Gewahrsein, Leere, Zen-Geist. Leere und Form. Niemals getrennt. Immer hier. Mu.

Wie gehen wir also damit um, dass offensichtlich 'Ego' und 'Erwachen' sich irgendwie gegenseitig auszuschließen oder zumindest in die Quere zu kommen scheinen?
Eine Möglichkeit: wir leben weiter in der Trennung und halten es für unmöglich (oder gar anrüchig), psychologische Erkenntnisse versuchsweise zu nutzen, diese Kluft zu überwinden.

Eine andere Möglichkeit, wir nutzen ganz bewusst die 'integrale Landkarte unseres Bewusstseins' und clevere zeitgemäße psychologische Methoden, um unser Ego darin zu üben, 'sich selbst erkennen' zu lernen (also über seine eigene, flüchtige Natur zu erfahren, ohne dadurch aber sich in seiner Existenz bedroht zu fühlen). 
Und es dann so 'umlernen' zu lassen, dass unser Ego (welches wir brauchen und nicht loswerden wollen!) sich mehr und mehr entspannen und den Blick freigeben (und selber aushalten, vielleicht sogar genießen?) kann auf unsere tiefere, wahre Natur.
Und vielleicht gar bis dahin, dass sogar diese tiefere Natur durch ein nun entspannteres Ego hindurch in die Welt scheinen kann?

Dieser ganze Prozess hat sehr viel mit Psychologie zu tun. Touché!
Und - er dient der 'Selbst-Optimierung' (zumindest, wenn ich ein entspanntes Ego, welches seltener unbewusst mit alten, wenig hilfreichen konditionierten Mustern reagiert, für eine 'Optimierung' halte). 2:0.
Und - ja, es ist eine Art 'Gehirnwäsche'. Zumindest in dem Sinne, dass mein Hirn (mein Denken) gereinigt wird von wenig hilfreichen, unzutreffenden Annahmen über die Natur meines Selbst und statt dessen meine wahre Natur in seiner entsptannten Schönheit und Präsenz erfahren darf. 3:0.

Er dient aber eben auch dazu, diesem meinem Ego einen ungehindeteren Zugang zu dem zu eröffnen, 'worum es im Zen geht'. Ob ich das nun auf dem Kissen sitzend, über Koans brütend oder in einem Mondo Zen Dialog 'schmecke', die Essenz von Zen ist und bleibt immer die selbe.

Die Wege dahin sind unterschiedlich.

Mondo Zen ist einer davon.

Ein - wie ich und viele andere inzwischen erfahren haben - sehr, sehr hilfreicher und schöner.
Unter anderem deswegen, weil er eben genau diese Brücke zwischen der 'Essenz des Zen' und dem Denken bzw. dem Denker schafft. Und das ist meiner Erfahung nach für viele Westler im 21. Jh. eine notwendige Voraussetzung, überhaupt ihre Spiritualität sinnnvoll in ihr Leben integrieren zu können.

Also, um noch einmal Buddha zu zitieren:
"Traue keinem Lehrer, traue keiner Lehre, traue keiner Institution. Traue nur dem, was nach Deiner eigenen Erfahrung wahr ist."

Wer wirkliches Interesse hat, sich auf diese (Mondo Zen) Erfahrung einzulassen, ist herzlich eingeladen!

 

Nachtrag: Es geht mir hier überhaupt nicht darum, Mondo Zen als 'besser' darzustellen als andere Formen spiritueller Praxis, geschweige denn andere Zen- Wege zu diffamieren.
Jeder sollte für sich selber herausfinden, welche Praxis zu welchem Zeitpunkt die angemessendste ist. Meiner Erfahrung nach bringt nur Mondo Zen (ganz besonders aus einer integralen Perspektive)  eine neue, zusätzliche Qualität in die Zen Praxis, die ganz besonders für wache und kritische Menschen in unserer westlichen Kultur sehr hilfreich sein kann.
Außerdem sollte hoffentlich klar sein, dass ich hier nicht den Eindruck zu erwecken versuche, als reiche ein wundersamer Mondo Zen Dialog-Prozess aus. Ohne eine konsequente Meditationspraxis geht auch im Mondo Zen nix. Es kann halt nur einen deutlichen Unterschied machen, plötzlich viel klarer erkannt zu haben, wofür ich denn eigentlich meditiere.